Einsichtsdialog – Zwischenmenschliche Achtsamkeit

Der Einsichtsdialog ist eine von Gregory Kramer entwickelte Meditation. Im Unterschied zur klassischen Achtsamkeitsmeditation, wird der Dialog mit einem anderen Menschen zur Meditation. Dies ist ein besonderes Vorgehen, da die Meditation mit dem Verweilen in Stille in Zusammenhang gebracht wird. Jetzt kann man sich fragen, ob es möglich ist miteinander, im gegenseitigen Austausch zu meditieren?

 

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Gregory Kramer, dessen Werk tief im Dhamma verwurzelt ist, hat einen Weg aufgezeigt, der es erlaubt, die Aspekte der Sitzmeditation  in der zwischenmenschlichen Begegnung zu verwirklichen. Diese Aspekte umfassen die Entwicklung von Ruhe, Konzentration, Gleichmut und Einsicht.

Zwischenmenschlicher Stress – Hungergefühle

Der Einsichtdialog gründet auf der Annahme, dass ein Großteil unseres Leiden durch zwischenmenschlichen Stress entsteht. Die sechs Meditationsanleitungen des Einsichtsdialogs erlauben es den MeditationspartnerInnen, sich schrittweise, sanft und sicher für einen Dialog zu öffnen, sodaß der Stress erlebbar wird und gründlich verstanden werden kann.

Dies führt zur allmählichen Auflösung des meist unbewußten Verlangen nach sinnlichem Vergnügen, des gesehen-werden-wollen und nicht-gesehen-werden-wollen. Dieser Wunsch, welcher in der buddhistischen Psychologie auch als Hunger oder Gier bezeichnet wird, ist die Ursache für Schmerz, Sehnsucht, Isolation und anderen Formen zwischenmenschlichen Leids. Dieser Hunger führt gleichsam zu einer Verkrampfung, Kontraktion oder Expansion des eigenen Selbst und damit zur Illusion einer von Anderen getrennten Existenz.

Der Einsichtsdialog erlaubt es uns, diesen Hunger sichtbar und erlebbar zu machen und ihm mit Wohlwollen und Gleichmut begegnen. Dies führt mit der Zeit zu einem tiefen Verständnis darüber, was es bedeutet Mensch zu sein und diesem Menschsein mit Akzeptanz, Geduld und Nicht-Beurteilen zu begegnen.

Ablauf – Meditationsleitlinien

Wie bei viele Formen der stillen Meditation hat auch der Einsichts-Dialog Leitlinien, die die Meditierenden bei der Veränderung ihrer gewohnheitsmässigen Reaktionen und Interaktionen mit anderen unterstützen sollen. Jede Leitlinie kann als Hilfe verstanden werden, uns zu beruhigen, achtsamer zu werden und alte Gewohnheiten aufzugeben. Als Praxis arbeiten diese Leitlinien zusammen, um den Weg in Richtung Einsicht und Weisheit zu weisen. 

Im Einsichtsdialog kontemplieren wir tiefgründige Themen wie Vergänglichkeit, Angst oder Freude. Im Kern geht es bei der jedoch darum, sich bewusst zu werden, wie Herz und Geist arbeiten – wie alte Gewohnheiten uns gefangen halten – und was übrig bleibt, wenn sich diese Gewohnheiten auflösen. 

Die sechs Leitlinien der Einsichts-Dialog-Praxis, die diese Bewusstheit und die Auflösung von Gewohnheitsmustern hervorbringen, sind:

Innehalten, Entspannen, Öffnen, dem Entstehen vertrauen, tief zuhören und die Wahrheit sagen.

Jede dieser Leitlinien hilft uns, die Aufmkerksamkeit auf den Körper, die Gedanken, Emotionen und unsere inneren Geschichten zu richten. Die ersten Schritte beruhigen uns und ermöglichen es, achtsam zu sein auf das, was sich innerlich zeigt. Wenn wir in den Dialog eintreten, weitet sich unsere Achtsamkeit aus. Sie umfasst dann nicht nur die innere subjektive Realität, sondern bezieht auch das Gegenüber mit ein. Wir begegnen den Inhalten, Worten und der Körpersprache mit einer nicht-beurteilenden Haltung. Dabei entdecken wir, dass es möglich ist, im Kontakt mit anderen Menschen der Gedanken und der emotionalen Vorgänge im Körper-Geist gewahr bleiben zu können.