Nightlife in Pune

Samstag Abend in Pune möchte ich nicht alleine verbringen. Die Recherche beginnt mit der Suche im Internet. Beim Blick aus meinem Fenster im elften Stock des Hotels bemerke ich buntes, sich veränderndes Licht. Dann höre ich auch schon die tiefen Bässe, übertönt von Hundegebell und Huperei. Wie sich bald herausstellen wird, befinde ich mich in einer der hippesten Gegenden von Pune. Hier feieren die Reichen und Möchtegerns ihre Parties in schicken Bars von neu errichteten Gebäuden. Auf der Launch- Terrasse meines Hotels, dem Westin frage ich einen Barkeeper nach einem guten Lokal in der Nähe, wo man auch tanzen könne. Er empfiehlt mir den Nachtclub des Hotels. Dieser sei im Moment der beste Platz in Pune, wenn man einen tollen Abend verbringen möchte.

Nach einem guten Abendessen in einem hervorragenden vegetarischen Restaurant gehe ich noch einmal auf die Terrasse, um den letzten Teil eines Konzerts eines bekannten indischen Drummers zu verfolgen. Direkt von der Hotelterrasse blicke ich auf die Menge von elitären Gästen und auf eine moderne Bühne mit drei Leinwänden, Live-Kamera und moderner Licht- und Tontechnik. Die Gegensätze inmitten einer Stadt könnten nicht grösser sein.

Wer sich den Nachtclub leisten kann, muss gut verdienen. Zuvor zahlte ich noch 120 Rupien für ein wunderbares Abendessen, jetzt muss ich Getränke-Bons im Wert von 1000 Rupien kaufen. Ein kleines Bier Kingfisher kostet 350 Rupien.

Auffallend viele junge Leute. Anfangs habe ich das Gefühl auf einer Teenie-Party zu sein. Die Damen tragen keine Saris, sondern sehr knappe Röcke die sich bei uns nur die schlankesten Frauen leisten können. Dazu Stilettos. Die Herren auffallend einfach gekleidet. Meist nur Jean und Hemd. Dies passt mir gut, denn diese Mode habe ich auch im Koffer.

Langsam füllt sich das Lokal, vereinzelt kommen jetzt auch Menschen aus Europa. Erst als mich ein Spanier, der in Berlin lebt anredet, bricht das Eis und ich lerne innerhalb von zwei Stunden gut ein Dutzend Leute aus Deutschland, Österreich und Italien kennen. Alle sind sie aus dem selben Grund hier. Sie schauen nach dem Rechten, bringen Dinge in Ordnung und freuen sich wieder auf Zuhause.

Die Befürchtung, dass Indien uns in Europa Arbeitsplätze wegnehmen könnte verflüchtigt sich innerhalb dieses Abends. Zu groß sind die Kulturunterschiede und Sozialisierungen zwischen Mitteleuropa und Indien. Das Chaos, welches man nicht übersehen kann, findet auch in Unternehmen seine Fortsetzung. Alle beklagen sich über ein fehlendes Bewusstsein für Ordnung und Qualität. Wenn man nicht permanent nachkontrollieren würde, dann würden die Dinge schnell aus dem Ruder laufen.

Ein Italiener der ein Ferrero Werk leitet lebt schon seit zwei Jahren in Pune. Er freut sich schon sehr auf die Zeit nach seinem Einsatz.

Ein Pole, der die technische Projektleitung in einem VW Werk ausübt, kommt heuer bereits zum fünften mal her, immer um etwas wieder in Ordnung zu bringen. Er hat es schon satt. In Deutschland und sogar in Russland könne man auf dem Boden eines Werkes Essen, so sauber sei es dort. Hier sagt er, verdreckt alles. Ein anderer Deutscher, der Maschinen für den Straßenbau herstellt, bestätigt, dass es nirgends so dreckig ist wie in Indien.

Jetzt weiß ich auch wie viel ein gut ausgebildeter Inder in Pune verdient. Zwischen 30000-40000 Rupien. Gerade mal 400 Euro.

Um halb zwei in der Nacht verlasse ich den nun schon extrem dröhnenden Club, der nach allen Seiten hin ins Freie geöffnet ist. Zuerst dachte ich, dass dies riesige Glasscheiben wären, durch die ich da blicken würde. Nein, alles offen, mit Blick auf eine tolle Architektur aus Glas, Beton und Licht.

Bevor ich schlafen gehe, werde ich noch am Hoteleingang kontrolliert, immer das selbe Prozedere. Dann noch ein kleiner Stromausfall und ein in den Schlaf gleiten, mit Hundegebell und Disco Dröhnen. Aber ich bin schon zu müde, mag nur mehr schlafen.