Kharadi Knowledge Park

Zum Frühstück beiße ich herzhaft in eine vermeintliche Kirschtomate und bin sogleich unwiderruflich wach. Die Chili hat in meinem Mund einen Brand gelegt, der sich nur mit viel Wasser löschen lässt. Heute bin ich müde, spüre noch immer den Jetlag der von Tag zu Tag weniger wird.

Das Taxi wartet verlässlich um acht Uhr vor der Türe und Peter und ich steigen beide im Anzug in einen schicken Tata-SUV, der uns unerwartet schnell zum Kharadi Knowledge Park bringt. Auf Google Maps sah der Park noch unwirklich aus, jetzt steht er vor mir und zeigt sich in prächtiger moderner Architektur. Die tropischen Pflanzen spiegeln sich in den großzügigen Glasflächen, welche die asymmetrischen Gebäudeteile begrenzen. Wir befinden uns in einem von vier großen Tech-Parks von Pune. Hier lassen Firmen wie Honeywell, Symantec und Vodafone ihre Software entwickeln. Gegen neun Uhr ist es noch ruhig hier, da die Arbeitszeiten fast aller Mitarbeiter von zehn bis sechs Uhr am Abend gehen.

Als wir das Büro im siebten Stock unter dem Dach betreten herrscht eine große Leere und Stille. Außer dem Wachmann und uns scheint noch niemand da zu sein. Das große Firmen-Logo hinter dem Empfang strömt Vertrautheit aus und vermittelt mir eine beinahe familiäre Atmosphäre. Dann betreten wir das Büro. Man stelle sich einen riesigen Raum vor, der ungefähr 250 Arbeitsplätze bietet. Die Tische in weiß, schwarzer Stuhl und eine Trennwand zum Nachbartisch. Bis auf ein paar vereinzelte Arbeitsplätze ist hier alles leer. Ulrich Seidl würde hier begeistert ein  langes Stillleben in Breitwand aufnehmen. Es duftet nach Weichmachern, alles ist neu eingerichtet. Am Ende des Raumes wischt jemand einen Tisch nach dem anderen mit einem Tuch ab. Mein erster Gedanke war Dankbarkeit, dass ich hier nicht arbeiten muss. Wenn der ganze Raum mit Menschen erfüllt ist, dann könnte es hier sehr sehr dicht werden. Die Inder sind einiges an dichtem Beisammensein gewöhnt und auch das Arbeitsinspektorat legt wahrscheinlich weniger strenge Vorlagen auf. Der Leiter der Einheit kommt uns entgegen und führt uns in ein großes modernes Besprechungszimmer. Dort packen wir unsere Gerätschaft aus und bereiten uns auf das Training vor. Ein Butler bringt uns Kaffee, der mit weißen Handschuhen überreicht wird. So ein nobles Service war mir bis heute unbekannt. In solchen Momenten geht es mir nicht gut, da ich den Eindruck vermittelt bekomme, als wäre ich eine höher gestellte Person.

Die Schulung selbst läuft in einer sehr amikalen Atmosphäre ab. Die Teilnehmer sind freundlich, offen und gebildet. Im Gegensatz zu Kollegen aus der Heimat stellen sie viele Fragen und sind wirklich wissbegierig, probieren viele Dinge unmittelbar aus. Das gefällt mir und motiviert mich auch als Vortragender.