Masala Dosa

Masala Dosa ist eine kleine Welt für sich. Heute esse ich nach der Arbeit im Zentrum der Altstadt ein meisterlich zubereitetes Dosa. Eine goldbraune Rolle, etwa vierzig Zentimer lang beinhaltet genug Raum, um eine würzige Kartolffelmasse und geräumig Luft nach oben und zu den Seiten aufzunehmen. Der rohe Teig aus eingeweichten Reiskörnern und weißem Urid Dal wird zu einer sämigen Masse zermalen, um dann auf einer heißen rechteckigen Stahl-Platte zu einem Kreis von ca. 40 cm Durchmesser verstrichen zu werden. Nach kurzer Zeit ist die Unterseite der Dosa goldbraun gebraten, dann wird die Kartoffelmasse in der Mitte positioniert und die nun knusprig gebratene Scheibe großzügig zusammen gerollt. Dem Gast wird dieser köstliche südindische Snack mit einer kleine Schale Sambar Sauce und Coconut-Chutney serviert.

Ich sitze in der ersten Reihe der Restaurants und blicke durch den offenen Balkon auf das bunte Treiben eines der belebtesten Plätze von Pune. Da sich in unmittelbarer Nähe ein berühmter Ganesha Tempel befindet, werden an jeder Ecke Blumengirlanden angeboten und im Hinterhof geknüpft. Schön sind sie alle. Auch verströmt dieser Teil der Altstadt einen Duft von Räucherwerk, mal riecht es nach Weihrauch, dann wieder nach Rose oder Sandelholz. In der Dunkelheit scheinen die hell erleuchteten Läden scheinbar zu glühen. Wer sich keinen Laden leisten kann, sitzt mit seinen Waren in der Reihe davor auf dem Boden, genauer gesagt auf der Kante zwischen Gehsteig und Strasse, was für den Passanten bedeutet, dass er sich andauernd auf wechselnde Gegebenheiten im Gehsteig-Bereich einstellen muss.

In Indien wird der Gehsteig automatisch zu einem Mehrzweckstreifen umfunktioniert. Er muss für alles herhalten, was einem so in den Sinn kommt. Mal ist er Parkplatz für die vielen Mopeds, dann ein Schlafplatz, ein Ort auf den überall gespuckt oder auch mal uriniert wird, dann wieder eine verlängerte Werkstätte oder eben ein Geschäftslokal. Jeder Zentimeter wird genützt. Dort wo niemand den verfügbaren Platz besetzt, liegt meist ein großer Erdhaufen am Boden oder es befindet sich ein Loch, ein Baum oder ein Gerätekasten an dieser Stelle. In jedem Fall empfiehlt es sich mit sehr wachem Blick unterwegs zu sein, da man sich ernsthaft verletzen kann, wenn man nicht gut genug aufgepasst hat.

Noch einmal besuche ich den schönen Innenhof mit dem Rama Tempel und treibe mich in den netten kleinen Souvenirläden herum, die religiöses Inventar feil bieten. Wirklich schön ist es hier!

Gut, dass ich rasch einen Tuk-Tuk Fahrer finde, der bereit ist mich in einen fernen Stadtteil zu führen. Für 150 Rupien fährt er mich auf extremen Schleichwegen durch die Stadt. Ich traue meinen Augen nicht, als wir uns umgehend in einem großen indischen Rotlicht-Viertel wieder finden. Hier stehen die Frauen dicht gedrängt aneinander in ihren Saris und sehen gar nicht wie Prostituierte aus. Aber dennoch hat es hier diese spezielle Atmosphäre. Zu schnell geht alles, als dass ich genauer hinsehen könnte. Später recherchiere ich dann im Hotel, dass es in Indien eine riesige Sex-Industrie gibt. In Mumbai und auch Pune arbeiten zehntausende Frauen in diesem Gewerbe. Meist werden sie von Frauen dafür angeworben oder zwangs-prostituiert. Dies ist ein dunkles Thema in dem bunten Land. In Mumbai so nimmt man an, ist jede zweite Sexarbeiterin mit dem HIV-Virus infiziert.

Damit es mir nicht zu ruhig wird bei der Fahrt, dreht der Tuk-Tuk Fahrer noch seine Musikanlage auf und ich werde in Disco-Lautstärke von hinten mit indischer Dance-Music beschallt. Es ist ohrenbetäubend laut und die blauen LED-Ketten vermitteln ein wenig Dance-Floor Atmosphäre. Bei der Fahrt über die vielen Strassen-Schwellen wird die Musik wegen eines Wackelkontakts mehrmals unterbrochen, um dann wieder in voller Lautstärke zu ertönen. Meine ganz private Party bereitet mir viel Spaß und Freude.